Was sagen Sie dazu? Thema: Inklusive Grundschule

Wenn über Bildung gesprochen wird, laufen Experten zur Höchstform auf: Strukturen werden analysiert, Länder verglichen, Statistiken bemüht. All dies hat sein Recht. 

Und doch sind es sehr einfache Faktoren, die darüber entscheiden, ob Bildung gelingt. Wir haben unterschiedliche Personen danach befragt. Um einfache Antworten zu bekommen, haben wir versucht, einfache Fragen zu stellen:

1. Was ist für Sie ein guter Lehrer?

2. Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptgründe, warum so viele Kinder bereits nach kurzer Zeit in ihren hohen Erwartungen an die Schule enttäuscht werden?

3. Für meine Kinder wünsche ich mir eine Schule, die ....

Elonore Reuther, Schulrätin am Staatlichen Schulamt in Fulda:

1. Einem guten Lehrer gelingt es, seine Begeisterung für das Fach auf die Schüler zu übertragen. Er er weckt ihre Neugier. Er begeistert sich aber auch für seine Schüler, indem ihnen Chancen eröffnet, damit sie ihre Fähigkeiten auch zeigen können. Er vermittelt dem Kind das Gefühl, dass es etwas kann. Das macht Kinder stark und sicher. Ein guter Lehrer gibt so viel Orientierung wie nötig und so viel Freiheit wie möglich. Er tritt authentisch auf und agiert mit „Love and Consequence“.

2. Ist es wirklich so, dass viele Kinder von der Schule enttäuscht werden? Sind es nicht oftmals die Enttäuschungen und Ängste der Eltern, die sich auf die Kinder übertragen? Die Erwartungen der Eltern an die Schule und an das eigene Kind „färben“ die Einstellung der Kinder zur Schule. Außerdem gehören Enttäuschungen auch zum Leben dazu, und Kinder müssen lernen, damit umzugehen. Enttäuschungen dürfen allerdings nicht zu Entmutigungen werden. Dafür muss die Schule gemeinsam mit den Eltern sorgen.

3. Für meine Kinder – besser gesagt Enkelkinder – wünsche ich mir eine Schule, die Kindern Raum gibt, ihre Fähigkeiten zu entfalten. In dieser Schule gibt es Lehrer, die durch klares, solidarisches Verhalten Vorbild sind und sie wohlwollend begleiten, damit jedes Kind so viel Bildung wie möglich erfährt – Bildung in dem Sinne, dass man seine Aufgabe im Leben findet, die man gut ausfüllen kann und die einen zufrieden macht.

Dr. med. Sigrid Lohmann-Savoji, Fachärztin für Kinder und Jugendmedizin aus Eichenzell

1. Ein guter Lehrer sollte eine empathische Person sein, die klar in ihren Forderungen an die Kinder ist, die Kompliziertes einfach darstellen kann und Wichtiges mit Geduld übt.

2. Die Schüler werden von den Lehrern oft mit ihren Defiziten zuerst wahrgenommen: „störend, unruhig, langsam, zu ruhig, schlecht lesend oder rechnend“ usw., statt mit ihren Stärken: „fröhlich, hilfsbereit, lebendig, fantasievoll, kreativ, besonnen, evtuell mit Übungsbedarf im Lesen oder Rechnen”.

3. Für meine Enkelkinder wünsche ich mir eine Schule, die sie entdecken lässt, welche Fähigkeiten in ihnen schlummern. Eine Schule, die sie unterstützt, durch fächerübergreifendes Lernen diese Talente zu fördern, und die ihnen Lehrer an die Seite stellt, die ihre Arbeit gerne tun und Kinder lieben.

Sabine Lehrich, Rektorin der Grundschule Haimbach

1. Eine gute Lehrerin oder ein guter Lehrer sollte Spaß und Freude haben, alle Kinder willkommen heißen, konsequent und fordernd sein, in die Fähigkeiten der Kinder vertrauen, viele Exkursionen unternehmen, um die Welt zu erforschen, Vorbild sein, den Kindern das Lernen lehren, unbedingt ein Teamplayer oder Coach sein, zur Selbstständigkeit erziehen und individuell fördern, offen, gerecht, flexibel, belastbar, pädagogisch und fachlich kompetent, humorvoll und gelassen sein und natürlich selbst Freude am lebenslangen Lernen haben.

2. Es gibt Kinder, die den Übergang vom Kindergarten in die Schule nicht so gut bewältigen: Im Kindergarten dürfen sie sich ihre Spiel- und Gesprächspartner aussuchen und fast immer miteinander reden. Als Schüler sollen sie meist nur die Fragen der Lehrer beantworten und können sich nicht mehr selbstbestimmt den Vormittag einteilen. Außerdem kommen sie mit sehr unterschiedlichen Kenntnissen und Fähigkeiten in die Schule. Ich glaube, dass daher die Kinder von Anfang an viel individueller gefordert und gefördert werden müssten.

3. Für meine Kinder wünschte ich mir eine Schule, die einladend, motivierend, unterstützend und begeisternd ist. Dazu gehört ein großes, helles, offenes Gebäude mit vielen „Lerninseln“ und „Fach-Räumen“ (z. B. Forscherräumen, Werkstätten, Therapieräumen, Mediathek, Schwimmbad, Labor, Besprechungsräume, Snoezelenraum etc.); ebenso ein anregendes Außengelände mit viel Grün mit Gemüsebeeten sowie Spielmöglichkeiten. Ein kleiner Zoo wäre auch sehr schön.
Ich wünschte mir eine Schule, in der nicht nur engagierte und kompetente Lehrer arbeiten, sondern auch viele andere Berufsgruppen, Experten und Eltern, die gemeinsam verschiedene Lernangebote bereitstellen. Außerdem sollte es ansprechende Materialien geben, die sich auch für Teamarbeit und Freiarbeit eignen. In meiner Wunschschule sind alle Kinder willkommen, selbstverständlich auch Kinder mit Einschränkungen. Ich wünschte mir viel Zeit und einen großen Bus, damit wir schnell überall hinkommen können, wo es spannend und lehrreich ist.

Steffen Strauss, Unternehmer im Familienunternehmen Engelbert Strauss

1. Lehrer zu sein ist eine große Herausforderung, die Respekt verdient. Der Lehrer erfüllt seine Aufgabe dann, wenn er sie mit Freude tut. So wie ein guter Kaufmann gerne mit Menschen zu tun hat, sollte ein guter Lehrer besonders Kinder mögen. Durch eine positive Ausstrahlung begeistert er sie als Mensch und vermittelt den Lehrstoff kreativ und spannend. Er hilft den Kindern, ihre individuellen Fähigkeiten zu entdecken, und fördert ihre Team-Kompetenz. 

Wenn wir Kinder so anleiten und begleiten, dass sie sich zu selbstbewussten Persönlichkeiten entwickeln, werden sie auch als Erwachsene ihren Lebens- und Berufsweg voller Begeisterung selbst gestalten.

2. Die Beachtung und Anerkennung des Einzelnen bei gleichzeitiger Förderung des Teamgeistes im Klassenverband ist sicher ein Spagat, den es als Lehrer zu meistern gilt. In diesen beiden Aspekten liegt aus meiner Sicht viel Motivation verborgen, genauso wie bei jedem Team in einem Wirtschaftsunternehmen. Wenn Lehrer sich mehr als Führungskraft verstehen und neben dem Lehrstoff die menschliche Komponente beachten, entsteht Freude im Miteinander und in der Folge Freude am Lernen. Darüber hinaus finde ich wichtig, dass der Lehrstoff kreativ, spannend und lebendig vermittelt wird, um die Attraktivität am Eigentlichen zu steigern.

3. Für meine Kinder wünsche ich mir eine Schule, die ein inspirierender Treffpunkt ist, an dem man sich wohl fühlt und an dem man mit Lehrern und Freunden gemeinsam täglich viele neue Dinge entdecken und lernen kann, fachlich wie menschlich.

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