Panta rhei ‒ Alles fließt

Ein Fotoprojekt

Wenn wir morgens in den Spiegel blicken, sehen wir jedes Mal eine leicht veränderte Gestalt. Doch aufgrund der Regelmäßigkeit nehmen wir die Veränderung nicht wahr. Anders ist es, wenn uns beim Aufräumen ein altes Foto in die Hände fällt. Mit Siebenmeilenstiefeln schreiten wir dann in der Zeit zurück und versuchen wehmütig, die Szene auf dem vergilbten Papier mit dem Heute zusammenzubringen. Wie anders wir doch aussahen, wie weit weg es sich anfühlt! Wo ist es hin, dieses Damals?

„Wir steigen niemals in denselben Fluss”, lehrte Heraklit vor 2500 Jahren. Damit nahm er dem Menschen die Illusion, er könne etwas genau so, wie es einmal war, wiederholen. Sowohl der Fluss als auch wir Menschen sind nie wieder dieselben. Und doch ist da auch etwas, das sich im Wandel durchhält. Um sowohl den Wandel als auch die Beständigkeit zeigen zu können, hat der Fotograf Arnulf Müller verschiedene Personen ab einem Alter von 80 Jahren gefragt, ob sie bereit wären, sich noch einmal so ähnlich zu positionieren wie auf einem Foto, das viele Jahrzehnte zuvor entstand. Dabei ging es nicht darum, das Bild bis ins Letzte zu kopieren, sondern es ungefähr nachzuempfinden. Fast alle, die er fragte, konnten sich mit der Idee anfreunden. Auch wenn sie sich auf den alten Bildern meist etwas besser gefallen haben, scheuten sie nicht den Vergleich und bewiesen durch ihre Zustimmung zur Veröffentlichung Souveränität. Da die Situation des Vergleichs auch dazu führt, darüber nachzudenken, was eigentlich zwischen beiden Bildern lag, baten wir noch um die Beantwortung folgender Frage:
„Wenn über ihr Leben ein Buch geschrieben worden wäre, wie sollte der Titel lauten?”



Maria Herrlich
Poppenhausen, mit 18 und mit 82
Buchtitel: „Ein Dorfmädchen im Wandel der Zeit“


Adelheid Müller,
Fulda, mit 23 und mit 85
Buchtitel: „ Es war, wie es war, und es ist, wie es ist“


Gerhard Bätz

Fulda, mit 26 und mit 82
Buchtitel: „Da mach ich nicht mit!“


Anton Möller,
Steinau/Künzell, mit 19 und mit 95
Buchtitel: „Für alle und zu jeder Zeit war er für jeden hilfsbereit“


Eva Schuster,
Neuenberg, mit 15 und mit 82

Buchtitel: „ Mein langes glückliches Leben - es ist so schön.“


Fritz Kramer,
Petersberg, mit 12 und mit 82
Buchtitel: Zufall und Wagnis


Sr. Maria Goretti Heinrich,
Horas, mit 18 und mit 89

Buchtitel: „An Gottes Hand durchs Erdenland“


Kathrin Mans,
Eichenzell, mit 14 und mit 80

Buchtitel: „ Es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie man alt wird.“


Ingrid Möller-Münch

Eichenzell, mit 20 und mit 82
Buchtitel: „Unsicher war gestern. Die Zukunft ist ‒ zum Glück ‒ weiblich“


Gregor Mans,

Eichenzell, mit 22 und mit 85
Buchtitel: „Leben in freier Wildbahn“


Hiltrud Wahl

Ziehers-Nord, mit 8 und mit 88
Buchtitel: „Miteinander – Füreinander. In Guten und in Krisenzeiten“

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